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Zukunft der Gastronomie

Beim Liberalen Themenabend der FDP Winnenden & Berglen diskutierten Gäste aus Politik und Gastronomie mit DEHOGA-Vertreter Daniel Ohl über die Zukunft der Branche und darüber, wie die Kommunalpolitik vor Ort bessere Rahmenbedingungen schaffen kann.

Michael Clauss (Bürgermeister Kaisersbach), Michael Matzke (DEHOGA), Jochen Haußmann (FDP), Horst Schönfeld(FDP), Dominic David Steinbrenner(FDP), Daniel Ohl (DEHOGA) und Dietmar Härer (DEHOGA)

FDP Winnenden & Berglen diskutierte in der Traube Hanweiler mit DEHOGA-Vertreter Daniel Ohl über wirtschaftlichen Druck, gesellschaftliche Bedeutung und kommunale Handlungsmöglichkeiten

Winnenden-Hanweiler. Eine lebendige Gastronomie ist weit mehr als ein Wirtschaftsfaktor. Sie ist Treffpunkt, Ort des Austauschs und Teil des gesellschaftlichen Lebens. Unter diesem Motto hatte die FDP Winnenden & Berglen zu ihrem Liberalen Themenabend „Zukunft der Gastronomie“ in die Waldblickstuben der Traube Hanweiler eingeladen. Als Referent war Daniel Ohl, Geschäftsführer Politik und Pressesprecher des DEHOGA Baden-Württemberg, zu Gast.

Dass das Thema viele Menschen beschäftigt, zeigte sich bereits an der Resonanz. Es kamen mehr Gäste als ursprünglich angemeldet. Stadtrat Horst Schönfeld sah darin ein klares Zeichen dafür, welche Bedeutung die Zukunft der Gastronomie vor Ort hat.

Auch Dominic David Steinbrenner, Vorsitzender der FDP Winnenden & Berglen, verwies auf die Zusammensetzung des Publikums. Bemerkenswert sei gewesen, dass nicht hauptsächlich Parteimitglieder gekommen seien. Unter den Gästen seien vielmehr zahlreiche Vertreter der Kommunalpolitik sowie Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Gastronomie gewesen. Gerade das zeige, dass die Entwicklung der Gastronomie weit über Parteigrenzen hinaus beschäftigt.

Ohl stellte zu Beginn seines Vortrags die wirtschaftliche Bedeutung der Branche dar. In Baden-Württemberg gibt es 28.177 Unternehmen im Gastgewerbe, davon 22.793 Gastronomiebetriebe. Hinzu kommen 137.000 sozialversicherungspflichtig und rund 172.000 geringfügig Beschäftigte.

Nach dem Einbruch während der Pandemie haben sich die Betriebszahlen wieder erholt. 2021 wurden noch 20.089 Gastronomiebetriebe gezählt, 2024 waren es wieder 22.793. Das Niveau von 2019 mit 24.548 Betrieben ist allerdings noch nicht erreicht.

Trotz dieser Erholung befindet sich die Branche mitten in einem Strukturwandel. Ohl erinnerte daran, dass es früher allein in Winnenden mehr als 40 Gaststätten gegeben habe. Mit dem Verschwinden solcher Betriebe gehe jedoch nicht nur ein gastronomisches Angebot verloren. „Gaststätten sind Raum der Begegnung und des Soziallebens“, sagte Ohl.

Besonders deutlich werde das im ländlichen Raum. 2017 galten in Baden-Württemberg 114 Gemeinden als gastronomisch unterversorgt, 2024 waren es bereits 138. In 48 Gemeinden gab es zu diesem Zeitpunkt überhaupt keinen gastronomischen Betrieb mehr. Für Ohl hat das auch eine gesellschaftliche und demokratische Seite: Wo die Gaststätte als Treffpunkt fehlt, fehlt häufig auch ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, diskutieren und miteinander ins Gespräch kommen.

Unter besonderem Druck stehen nach Ohls Einschätzung personalintensive Betriebe. Steigende Personalkosten und Tarifentwicklungen treffen insbesondere die klassische Bediengastronomie. Zwischen 2014 und 2024 sank die Zahl der Restaurants mit Bedienung um 16,1 Prozent, bei den Gasthöfen sogar um 44,2 Prozent. Imbissbetriebe und Eventcaterer legten im gleichen Zeitraum dagegen zu.

In der Diskussion ging es deshalb auch darum, welchen Einfluss Kommunen auf die Entwicklung der Gastronomie vor Ort haben. Ohl warb dafür, gastronomische Betriebe nicht in erster Linie als möglichen Störfaktor zu betrachten, sondern als wichtigen Teil lebendiger Innenstädte und Ortskerne. Kommunen könnten dazu beitragen, indem sie verlässliche Rahmenbedingungen schaffen und den Betrieben ausreichend Spielraum für ihre unternehmerische Entwicklung lassen.

Für den Verbandsvertreter ist der Strukturwandel dennoch kein Abgesang auf die klassische Gastronomie. Auch die Individualgastronomie habe weiterhin eine Zukunft, müsse sich aber stärker auf veränderte wirtschaftliche Bedingungen einstellen. Gerade im ländlichen Raum komme es darauf an, ein eigenes Profil zu entwickeln und für Gäste selbst zum Ziel zu werden – statt nur vom unmittelbaren Umfeld zu leben.

Die FDP Winnenden & Berglen will die Impulse des Abends gemeinsam mit ihrer Stadtratsfraktion weiterverfolgen. Konkret sollen dabei unter anderem der Umgang mit Sperrzeiten, die Nutzung von Sondernutzungsflächen und Möglichkeiten für die Außengastronomie überprüft werden. Auch bei Genehmigungsverfahren soll darauf geachtet werden, unnötige bürokratische Hürden zu vermeiden. Ziel ist es, den gastronomischen Betrieben in Winnenden mehr Gestaltungsspielraum zu geben und damit zugleich Innenstadt und Ortskerne zu stärken.